Bonding-Psychotherapie - Ethischer Kodex für Therapeuten, Ausbilderinnen und Ausbildungskandidaten

Übersetzung aus dem Amerikanischen (Übersetzerin: Christine Jeske)

Um eine Ausgewogenheit bei gleichzeitiger Lesbarkeit zu gewährleisten, wurde in der Übersetzung abwechselnd die männliche und die weibliche Form gewählt. Es sind jeweils beide Geschlechter gemeint.

Die Bonding-Psychotherapie ist eine professionelle psychotherapeutische Theorie und Behandlungsmethode. Praktizierende Mitglieder der Internationalen Gesellschaft für Bonding-Psychotherapie respektieren die Würde und den Wert des Individuums und setzen sich ein für die Erhaltung und den Schutz der fundamentalen Menschenrechte.

Die Internationale Gesellschaft für Bonding-Psychotherapie übernimmt die grundlegenden ethischen Standards, die von allen helfenden Berufsgruppen etabliert wurden. Therapeutinnen, Ausbilder und Ausbildungskandidaten sind sich der ethischen Richtlinien bewusst, die ihre professionelle Organisation etabliert hat, und sie halten sich daran. Sie haben sich verpflichtet, das Wissen über das menschliche Verhalten und das Verständnis der Menschen über sich selbst und andere zu mehren sowie solches Wissen für die Förderung menschlichen Wohlergehens einzusetzen. Bei der Verfolgung dieser Ziele unternehmen sie alles Erforderliche, um das Wohlergehen derjenigen zu schützen, die ihre Dienste in Anspruch nehmen oder an wissenschaftlichen Forschungen zur Bonding-Psychotherapie teilnehmen. Die Anerkennung als Mitglied in der Internationalen Gesellschaft für Bonding-Psychotherapie verpflichtet das Mitglied dazu, sich an den ethischen Kodex der Gesellschaft zu halten. Die Mitglieder sind gehalten, die jeweiligen staatlichen Rechtsgrundlagen zur Regelung der Ausübung von Psychotherapie zu achten.

Selbstverantwortung und Verantwortung gegenüber anderen bilden einen entscheidenden Teil des grundlegenden Rahmens der Bonding-Psychotherapie. In ihren Angeboten halten die Bonding-Psychotherapeutinnen die höchsten Standards ihres Berufes ein. Sie akzeptieren die Verantwortung für die Konsequenzen ihrer Handlungen und unternehmen jede Mühe, um sicherzustellen, dass ihre Dienste angemessen genutzt werden.

Die Einhaltung hoher fachlicher Standards ist eine Verantwortung, die von allen Bonding-Psychotherapeuten im Interesse der Öffentlichkeit und des Berufsstandes als Ganzes geteilt wird. Bonding-Psychotherapeutinnen erkennen die Grenzen ihrer Fachkompetenz und die Grenzen ihrer Methodik an. Sie machen nur solche Angebote und bieten nur solche Methoden an, für die und in denen sie durch Ausbildung und Erfahrung qualifiziert sind. Falls erforderlich, verweisen sie an andere angemessene Fachleute. Bonding-Psychotherapeuten erkennen, dass eigene persönliche Probleme und Konflikte die professionelle Effektivität beeinflussen können. Im einem solchen Falle suchen sie kompetente professionelle Unterstützung, um die Situation zu bereinigen, und sie unterbrechen, beenden oder begrenzen ihre professionellen Aktivitäten, falls dies erforderlich ist und sich aus der Verantwortlichkeit ergibt. Bonding-Psychotherapeutinnen halten sich im Hinblick auf ihre Dienste auf dem aktuellen wissenschaftlichen und professionellen Kenntnisstand. Sie erkennen die Notwendigkeit kontinuierlicher Fortbildung an.

Die moralischen und ethischen Maßstäbe für Bonding-Psychotherapeuten sind in ebensolchem Maße eine persönliche Angelegenheit wie für jede andere Bürgerin an jedem Ort, außer wenn diese Maßstäbe sie in der Ausübung ihrer professionellen Verantwortung kompromittieren oder das öffentliche Vertrauen in die Bonding-Psychotherapie und die Bonding-Psychotherapeuten beeinträchtigen.

Bonding-Psychotherapeutinnen haben eine grundsätzliche Verpflichtung, die Vertraulichkeit der Informationen zu respektieren, die sie von Klienten/ Patienten, Ausbildungskandidaten und Supervisorinnen bei ihrer Arbeit erhalten. Sie geben solche vertrauliche Informationen nur mit der Einwilligung der betroffenen Person oder deren rechtmäßigen Vertreters an Dritte weiter, ausgenommen sind außergewöhnliche Umstände, in denen die Nicht-Weitergabe eine Gefahr für die Person oder für Dritte bedeuten würde. Wenn es angebracht ist, informieren Bonding-Psychotherapeuten ihre Klientinnen über die rechtlichen Einschränkungen der Vertraulichkeit.

Bonding-Psychotherapeuten stellen die Möglichkeiten der Bonding-Psychotherapie und auch ihre Angebote, Dienstleistungen, Produkte und Veröffentlichungen in angemessener und seriös Weise, korrekt und sorgfältig dar und vermeiden Falschdarstellungen, die durch Effekthascherei, Übertreibung oder Oberflächlichkeit entstehen könnten.

Bonding-Psychotherapeutinnen respektieren die Integrität der Menschen und Gruppen, mit denen sie arbeiten, und schützen deren Wohlergehen. Sie informieren Menschen, die ihre Dienste in Anspruch nehmen über Zweck, Absicht und Art der Behandlung und der angewandten Verfahren bei Ausbildung oder Evaluation. Sie erkennen offen an, dass jedem Teilnehmer einer Behandlung oder einer Forschungsstudie die Teilnahme freigestellt ist. Sie vereinbaren eindeutige therapeutische Verträge.

Bonding-Psychotherapeuten sind sich kontinuierlich ihrer eigenen Bedürfnisse bewusst sowie ihrer möglicherweise einflussreichen Position gegenüber Personen wie Klientinnen, Ausbildungskandidatinnen und Supervisanden. Sie vermeiden es, das Vertrauen und/oder die Abhängigkeit solcher Personen in irgendeiner Weise auszubeuten. Bonding-Psychotherapeutinnen enthalten sich uneindeutiger Klienten Beziehungen, die ihr professionelles Urteil beeinträchtigen oder die Gefahr der Ausbeutung fördern könnten. Sexuelle Intimität mit Klienten, Ausbildungskandidaten und Supervisanden entspricht nicht den ethischen Grundsätzen.

Die Bonding-Psychotherapie unterstützt innerhalb des therapeutischen Rahmens den vollen Ausdruck von Basisgefühlen wie Wut, Angst, Schmerz, Freude und Liebe. Bonding-Psychotherapeutinnen sorgen dabei für die Einhaltung aller notwendigen Verhaltensgrenzen, die für das Wohlergehen aller Beteiligten erforderlich sind.

Bonding-Psychotherapeuten unterhalten hohe Maßstäbe hinsichtlich der Kollegialität mit anderen Bonding-Psychotherapeutinnen, Ausbilderinnen und Ausbildungskandidatinnen sowie mit Vertretern anderer Berufsgruppen.

Bonding-Psychotherapeuten sind sich der Rolle der Bonding-Psychotherapie als ein moderner Therapieansatz in theoretischer und therapeutischer Entwicklung bewusst. Sie erkennen die Notwendigkeit von Dokumentation und Verlässlichkeit in ihrer Arbeit an. Falls sie sich entscheiden, durch Forschung zur ständigen Weiterentwicklung der Bonding-Psychotherapie als einer Richtung der Humanwissenschaften beizutragen, führen sie ihre Untersuchungen mit Respekt und Sorgfalt im Hinblick auf die Würde und das Wohlergehen der beteiligten Menschen durch. Sie kennen und berücksichtigen staatliche Regelungen und professionelle Standards, die die Durchführung von Forschungsprojekten mit Menschen als Forschungsgegenstand regeln.

Mitglieder der Internationalen Gesellschaft für Bonding-Psychotherapie und ihrer nationalen Abteilungen treten angemessen und in Übereinstimmung mit ihrem Mitgliedschafts- und Ausbildungsstatus auf. Beispielsweise dürfen „Society Fellows“ Selbsterfahrung und/oder Bonding-Psychotherapie anbieten; „Teaching Fellows“ dürfen Ausbildungskurse und Selbsterfahrung anbieten, die für die Zertifizierung angerechnet wird (oder persönlich eine/n Society Fellow supervidieren, die/der Ausbildung durchführt).

Kein ethischer oder professioneller Kodex kann jemals alle möglichen Umstände und Erwägungen beschreiben, für die ein Einzelner Sorge tragen muss, um eine ordnungsgemäße ethische und professionelle Berufsausübung zu gewährleisten. Dies sollte ein solcher Kodex auch nicht müssen, weil die grundsätzlichen Erwägungen, denen Bonding-Psychotherapeuten und Bonding-Psychotherapeutinnen verpflichtet sein sollten, die gleichen sind, die für alle Menschen in jedem Tätigkeitsfeld anwendbar sind.

Ihre Essenz umfasst Wahrhaftigkeit, Sorgfalt und Güte. Schwerwiegende Verletzungen jedes einzelnen Grundsatzes untergraben letzten Endes sowohl die Weiterentwicklung der Bonding-Psychotherapie als auch das öffentliche Vertrauen in ihre Anwendung.