Allgemeine klinische Definition

Die Bonding Psychotherapie (BP) ist ein bewusst geplanter interaktioneller, gruppentherapeutischer Prozess zur Behandlung von Störungen, die in einem Zusammenhang mit der mangelnden Befriedigung der neurobiologisch verankerten psychosozialen Grundbedürfnissen stehen. Diejenigen Störungen, die im Konsens mit dem Patienten als behandlungsbedürftig erachtet werden, werden sowohl mit erlebnisaktivierenden körperbezogenen averbalen als auch verbalen Mitteln behandelt. Veränderungen in Richtung auf ein definiertes gemeinsam erarbeitetes Ziel werden durch lehrbare Techniken auf der Basis einer Theorie des gesunden und pathologischen interpersonellen Verhaltens erreicht. Diese Veränderung vollzieht sich in einer tragfähigen emotionalen Beziehung zur Gruppe und dem Therapeuten.

Menschenbild

Bonding Psychotherapie versteht den Menschen als ein komplexes bio- psycho-soziale System. Die grundlegende Anforderung zur Konsistenzsicherung dieses Systems ist die Befriedigung der neurobiologisch verankerten psychosozialen Grundbedürfnisse. Die wichtigsten psychosozialen Bedürfnisse sind: das Bonding-, Bindungs-, Autonomie-, Selbstwertbedürfnis, Identitätsbedürfnis, und das Bedürfnis nach körperlichem Wohlbehagen und das Bedürfnis nach Sinn und Spiritualität. Dabei kommt in der Bonding Psychotherapie dem Bonding- und dem Bindungsbedürfnis eine zentrale Funktion zu.

Gesundheitsmodell

Die Befriedigung dieser Grundbedürfnisse in ihrer Gesamtbilanz unter Berücksichtigung der sozialen Umwelt ist die Voraussetzung für seelische Gesundheit und daher ein immanentes, grundlegendes und nicht hinterfragbares psychologisches Menschenrecht. Emotionen haben eine Signalfunktion bezüglich des Erfüllungsgrades der Grundbedürfnisse und damit eine wichtige Funktion in der Beziehungsgestaltung.

Störungsmodell

Die mangelnde Befriedigung dieser Grundbedürfnisse ist der Nährboden zur Entwicklung von seelischen Störungen. Ein Mensch mit seelischen Störungen ist ein in seinen Grundbedürfnissen und damit in seinen psychologischen Menschenrechten verletzter Mensch. Durch nicht gelungene schmerzhafte Bonding- Bindungserfahrungen entstehen unsichere Bonding- und Bindungsrepräsentationen mit den dazugehörigen dysfunktionalen emotionalen Schemas. Diese unsicheren Bonding- und Bindungsrepräsentationen zeigen sich interpersonell bevorzugt durch Vermeidung von körperlicher Nähe, emotionaler Offenheit, mangelndes Vertrauen in sich und andere und Angst vor Trennung.

Ziele der Bonding Psychotherapie

Das Ziel der Bonding Psychotherapie ist die Veränderung dieser dysfunktionalen emotionalen Schemas, damit der Patient fähig ist, seine Bonding- Bindungsbedürfnisse und die anderen psychosozialen Grundbedürfnisse zu befriedigen. Die Voraussetzung dazu ist, die Verbesserung der Bindungssicherheit. Das Ziel der Bonding Psychotherapie ist nicht nur die Reduktion von Symptomen, sondern auch die Verbesserung der Lebenszufriedenheit und Lebensfreude.

Veränderungsmodell

Die dysfunktionalen emotionale Schemas bezüglich der Befriedigung der Grundbedürfnisse sind vorwiegend im impliziten und nicht im expliziten Gedächtnis repräsentiert. Sie müssen durch die Technik der prozessualen Aktivierung bewusstseinsfähig gemacht und durch emotional korrigierende Erfahrungen Schritt für Schritt überschrieben werden.

Qualitätssicherung

Nach einer qualifizierten Diagnostik werden im Konsens mit dem Patienten Therapieziele definiert. Im Rahmen der qualitätssichernden Maßnahmen werden bezüglich der Bonding Psychotherapie Ziele spezifische veränderungssensitive Messinstrumente eingesetzt. Am Ende der Therapie wird überprüft, in wieweit die Therapieziele und signifikante Veränderungen bezüglich der spezifischen Bonding Psychotherapie Ziele, erreicht worden sind.

Kurzdefinition

Bonding Psychotherapie ist ein gruppentherapeutischer Prozess zur Behandlung von Störungen, die in einem Zusammenhang mit der mangelnden Befriedigung der neurobiologisch verankerten psychosozialen Grundbedürfnisse stehen. Dabei kommt dem Bonding- und Bindungsbedürfnis eine zentrale Funktion zu. Durch nicht gelungene schmerzhafte Bonding- und Bindungserfahrungen entstehen unsichere Bonding- und Bindungsrepräsentationen mit den dazugehörigen dysfunktionalen emotionalen Schemas. Durch das Herstellen von körperlicher Nähe und vollem Ausdruck der Gefühle werden diese emotionalen Schemas prozessual aktiviert. Sie werden zunächst emotional durchgearbeitet, bewusstseinsfähig gemacht und durch emotional korrigierende Erfahrungen Schritt für Schritt überschrieben. Danach werden die dysfunktionalen emotionalen Schemas verändert und neues Verhalten eingeübt, um die psychosoziale Kompetenz zu verbessern. Durch qualitätssichernde Maßnahmen wird überprüft, ob die a priori definierten Therapieziele, eine signifikante Verbesserung der klinischen Symptome und des Beziehungsverhaltens erreicht wurden.